• Von der Betonwüste zur Stadtoase

Von der Betonwüste zur Stadtoase

26.03.2020 TOBIAS FRANZKE, Silvedes AG, Brütten

Zahlreiche Terrassen bieten ein hervorragendes Potenzial, um zum individuellen Lieblingsort der Bewohner zu werden. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie sich eine innerstädtische Betonwüste dank umsichtiger Planung und begeisterungsfähiger Eigentümer in einen Wohlfühlort verwandeln lässt.

Eine junge Familie hatte endlich ihre Traumliegenschaft mitten in der Stadt gefunden. Wände und Decken aus Sichtbeton, warme Holzböden und komplett verglaste Aussenwände prägen das Raumgefühl. Die Duplexwohnung im zweiten und dritten Obergeschoss weist einen aussergewöhnlichen Grundriss auf. Der Zugang befindet sich auf der oberen Ebene – gleichauf mit den nordseitigen Schlafzimmern. Ein Halbgeschoss tiefer liegen Gästezimmer und Küche mit Terrassenzugang gegen Süden. Das Wohnzimmer mit doppelter Raumhöhe ist zur nördlichen Quartierstrasse hin vom Boden bis zur Decke verglast. In diesem «Naked House» fehlte eine Rückzugsmöglichkeit, ein Ort mit Privatsphäre und Platz für die beiden Kleinkinder. Die südseitige Terrasse mit etwa 100 m2 Fläche bot die Möglichkeit, ein heimeliges Ambiente zu schaffen, das seine wohlige Wirkung auch auf den Innenraum erstreckt.

Die dezente Beleuchtung der Pflanzen mit Warmlicht-LEDs schafft ein stimmiges Ambiente für laue Sommerabende draussen und erweitert optisch den Innenraum.

Doppelte Sonneneinstrahlung

Die dringlichste Veränderung – um die Terrasse überhaupt nutzen zu können – wurde beim ersten Ortstermin an einem sonnigen Junimorgen offensichtlich. Bei angenehmen 20 Grad Aussentemperatur war es auf der Terrasse bereits morgens unerträglich heiss. Zusätzlich zur vollen Sonneneinstrahlung aus Südosten reflektierte die fast vollständig verglaste Fassade das Sonnenlicht ein zweites Mal auf die Betonfläche – man wurde förmlich grilliert. Reichlich natürlicher Schatten musste her. Der Ausblick war ernüchternd – rundum ragten bereits deutlich höhere Neubauten in den Himmel. Die Trafoinstallation des angrenzenden Bahntrassees bewirkte zudem einen nahezu industriellen Umgebungscharakter. Als dann noch der erste Zug mit kreischenden Rädern die kurvige Strecke passierte, war es mit der Ruhe vorbei. Es galt also zusätzlich den ohrenbetäubenden Lärm zu mildern.

Privatsphäre mitten in der Stadt

Bereits vor Baubeginn war mit wenig Aufwand die zulässige Quadratmeterbelastung des Terrassenbodens zu den darunter liegenden Wohnungen über das übliche Mass hinaus erhöht worden. Dadurch bestand bei der Gestaltung grösstmögliche Freiheit, und ausladende Schattenbäume konnten unter Berücksichtigung des Sonnenverlaufes frei platziert werden. Während der langen Sommertage spenden die laubabwerfenden Bäume nun den ganzen Tag hindurch wohltuenden Schatten und sorgen für ein angenehmes Klima. Die charakterstarken Solitärgehölze wurden so in das Design eingebunden, dass beim Blick aus Küche und Essbereich die hohen gegenüberliegenden Häuser kaum mehr wahrgenommen werden. Auch die Bahninstallationen verschwinden im Grün. Die breiten Kronen unterbinden zudem wirkungsvoll Einblicke aus der Nachbarschaft. Die Blickwinkel von Balkonen und Glasfronten oberhalb der Wohnung wurden ebenfalls in die Überlegungen miteinbezogen. Damit der Jacuzzi auch im Winter uneinsehbar bleibt, wurde ein Pendelschirm so platziert, dass er entweder über die Wasserfläche oder über das Outdoorsofa geschwenkt werden kann.

 

Von der Betonwüste mit Bahninstallation (links) zur attraktiven Stadtoase mit viel Raum für die ganze Familie – zum Entspannen, Essen und Spielen (rechts).

Sicher und praxistauglich

Die beiden Kinder der Familie sollen auf der Terrasse jederzeit gefahrenlos spielen können. Aufgrund der Durchlässigkeit des Metallgeländers war absehbar, dass sich wohl des Öfteren Spielsachen in den Innenhöfen der unteren Nachbarwohnungen wiederfinden würden. Die Lösung boten brüstungshohe Aluminiumgefässe entlang des Geländers, die gleichzeitig helfen, den Zuglärm deutlich zu reduzieren. Stattliche Solitärpflanzen in quadratischen Gefässen schaffen spannende Abwechslung zu den niedrig bepflanzten rechteckigen Trögen. Immergrüne und laubabwerfende Gehölze wurden mit Gräsern und Stauden so kombiniert, dass sich das Erscheinungsbild saisonal wandelt und zu jeder Jahreszeit ein stimmiges Ganzes entsteht. Ein langgezogener Betontrog grenzt die unmittelbar daneben liegende Nachbarterrasse ab. Die Bepflanzung des Trogs mit einer formalen Hecke harmoniert mit der kubischen Architektur des Hauses und bietet Privatsphäre für Loungebereich und Jacuzzi. Alle Elemente an den Aussenseiten sind so angeordnet, dass sie Kleinkinder nicht zum Klettern einladen und somit grösstmögliche Sicherheit gewähren. Neben einem Tisch für zwölf Personen konnte eine Aussenküche mit grosszügigem Grill und Kühlschrank realisiert werden, was Lebensqualität und Alltagstauglichkeit dieses Stadtgartens weiter steigert. Der aus der Küche sichtbare Ahornbaum wirft in der zweiten Tageshälfte einen angenehmen Schatten auf Essplatz und Outdoorküche. Am Abend verwandeln hochwertige Warmlicht-LEDs die Terrassenlandschaft in ein stimmiges dreidimensionales Bild, das seine eindrucksvolle Wirkung bis in den Innenbereich entfaltet.

Grosszügiger beschatteter Essbereich mit Grill und Kühlschrank.

Dank der Begeisterungsfähigkeit der Eigentümer und einer Prise Mut konnten 100 Quadratmeter Betonwüste in eine innerstädtische Oase verwandelt werden, welche intensiv genutzt wird. Heute steht den Bewohnern sowohl ein entspannender Wohlfühlort als auch ein liebgewonnener Spielplatz zur Verfügung, der dank umsichtiger Planung die Bedürfnisse der glücklichen Familie vollumfänglich und langfristig erfüllt.

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Informationen zur Terrassengestaltung sowie Hinweise zu Online- Bestellungen und Abholmöglichkeiten unter: www.silvedes.ch